Warum es völlig ok ist, einfach mal einen schlechten Tag und 'nen Durchhänger zu haben.

Das Leben ist nicht immer rosig. Und das ist in Ordnung.
Location: zu Hause, Hannover

Positives Denken ist eine gute Sache, es ist wichtig, es beeinflusst das ganze Leben und seinen Verlauf. Dinge positiv zu sehen, die Schönen Seiten zu finden, sich über Kleinigkeiten zu freuen, anstatt sich über andere Kleinigkeiten aufzuregen - all dies hat eine unheimliche Auswirkung auf die eigene Lebensqualität. Wundervoll ist daher dieser Positivity Trend, in all seinen Facetten. Und trotzdem schleicht sich bei uns so langsam das Gefühl ein, dass Social Media uns dieser Tage vermitteln möchte, dass positives Denken ein MUSS sei. Das Selbstzweifel gänzlich scheiße sind, dass Frauen sich immer und bedingungslos gegenseitig unterstützen müssen und alle automatisch BFFs for life sein sollten. Das man immer mit einem Strahlelächeln durchs Leben zu gehen hat und nichts bemängeln darf. Das wir Deutschen einfach nur eine grenzenlose Nörgler-Nation sind, die sich jetzt zusammenreissen soll, jeden Tag, so beschissen er auch sein mag, als ein Geschenk abzufeiern hat, sich gegenseitig nonstop Komplimente machen sollte (speziell wenn es nach den Instagramern geht, dann bitte in einer Flut aus positiven 'you go girl' Kommentaren) und das es scheiße ist, Dinge auch mal scheiße zu finden. So sehr wir also dafür sind, immer die positiven Seiten zu sehen, nach Vorn zu schauen, Momente zu genießen, so möchten wir doch langsam auch einschreiten und sagen: du musst dir das hier nicht zwanghaft schön reden, du darfst auch einfach mal was blöd finden. Du darfst unzufrieden sein, zweifeln, nörgeln. Wir verstehen einfach nicht, warum mittlerweile alles so extrem ausfallen muss. Wir sind kollektiv für mehr positives Denken und plötzlich darf man sich über rein gar nichts mehr echauffieren, auch wenn man guten Grund hätte. Wir sind kollektiv für mehr Girlpower und Girlboss und weiß der Geier wie die Trendhashtags auf Instagram noch so heißen und direkt bedeutet das im Umkehrschluss, dass man bloß keinen Unmut über jedwede Frau äußern darf. Greift dich jemand öffentlich an, dann lass dir am besten das Messer unkommentiert in den Rücken jagen. Denn wehrst du dich, musst du noch damit rechnen, dass du jetzt voll nicht #empowerallwomen und so bist, sondern eine blöde Kuh. Wir sind kollektiv dafür, dass man Selbstliebe zelebrieren darf, aber plötzlich muss man damit einhergehend halbnackte Fotos von sich veröffentlichen, die möglichst jeden Winkel, mit dem man eigentlich nicht ganz so glücklich ist, in grellstem Licht ausleuchten, weil man sonst fake ist und voll nicht #feminism abfeiert. Uns ist das alles zu krass. Wir finden einfach, dass jede Frau frei entscheiden darf, ob sie eine andere Frau jetzt mag, oder nicht. Das wir alle auch mal morgens aufstehen und dem Spiegel entgegen brechen wollen dürfen. Das wir alle ab und an einen Tag haben, an dem Dinge schief laufen und an dessen Ende wir uns nörgelnd und mit einer Pizza in den Sessel hauen und Serie schauen. Können wir nicht einfach ein bisschen NORMAL sein? Nicht alles entweder streng verurteilen oder bis zum Exzess zelebrieren?

Manchmal schütteln wir über die Abstrusität, das Ausmaß all dieser Bewegungen, nur noch den Kopf. All das, was einen so guten und wichtigen Ansatz bietet, wird auf Social Media ad absurdum geführt. Wir müssen über die weibliche Periode, das Geschlechtsorgan, die Sexualität offen sprechen können (richtig) - also trägt man jetzt Vagina Ketten (*ACHTUNG, IRONIE!* weil ja auch als Counterpart bei Männern Penisketten so unglaublich beliebt sind und viel und gern getragen werden...) Jeder Körper ist schön, eine Frau muss keinem Idealbild entsprechen (richtig- also setzen moderne Girls sich täglich in Unterwäsche vor den Spiegel und posten Bilder von ihren (ironischerweise zurechtgeshoppten und glattgezogenen) Boobies und Beinen. Man predigt 'keine Macht dem Size Zero' und bewerbt Detox-Säfte, betitelt dünne Beine mit #goals, labert selbst aber davon, wie man nichts und niemanden bewerten darf (*ACHTUNG, IRONIE!* weil #goals ja so ganz und gar keine Bewertung darstellt...), alle sind super busy und mega im Stress, dürfen aber ja keinen Durchhänger haben und wir könnten aus dem Stehgreif noch zehn weitere solch sinnfreie Aktionen und Aussagen dieser Art anbringen. Der neuste Trend ist nun also der des zwanghaften Glücklichseins. Wir sind alle super happy und sehen jeden Tag und jede Situation stets rosig und positiv, auf Instagram und Facebook, auf den Blogs und Youtube Kanälen wird mit Glück und Juchei nur so um sich geschmissen - weil solche Aussagen aktuell die Interaktion nach oben treiben und die Kommentar und Like Anzahl der Follower für einen gewissen Teil der Gesellschaft schließlich das Maß aller Dinge geworden ist. Also verkackeiern wir uns alle im Kreis, wer jetzt die/der Glücklichste ist. Und wir überlegen uns schon, ob wir einen Beitrag veröffentlichen können, der auch nur einen Hauch Negativität versprüht, denn das ist schließlich nicht so gern gesehen. Nein, im Moment muss man jeden noch so doofen Tag vergolden, damit man sich und seinen Nächsten nonstop happy machen kann. Dass das absolut unmöglich ist und ausnahmslos jeder, der nicht ab und an einfach mal kurz gefrustet ist, sich fies selbst in die Tasche lügt - das kann nicht sein.

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Ist aber so. Die Lage der Welt ist trüb - das kann einen sehr wohl überkommen und auf die Stimmung schlagen. Wer bei solch allumfassenden Problemen jeden Morgen vor dem Spiegel das putzige Lächeln trainiert, nur um erzählen zu können, wie #positive er/sie ist, dann kann die Person ja eigentlich nicht sonderlich interessiert am allgemeinen Geschehen sein. Natürlich kann man mit schnöden Alltags-Situationen so oder so umgehen. Natürlich tut es einem selbst weitaus besser, wenn man nicht konsequent und bei allem das Haar in der Suppe sucht. Wenn man nur darauf wartet, lospoltern und sich ereifern zu können. Aber manchmal, da passieren beschissene Sachen. So ist das Leben, ein Auf und Ab. Und so schön es ist, sich über die Auf's zu freuen so wichtig ist es auch, den Frust über die Ab's herauszulassen. Wir alle haben ein Recht darauf, traurig zu sein, enttäuscht zu sein, wütend zu sein. Wir haben ein Recht auf all diese menschlichen Emotionen. Manchmal hat man einfach einen schlechten Tag, manchmal wird man tatsächlich unfair behandelt, man erlebt Verlust, Ängste, Stress und Ärger. Und das braucht man nicht permanent herunterzuschlucken. Das braucht man nicht zwanghaft schön reden. Man muss es auch nicht vor der Welt verstecken. Jeder darf sich mal gehenlassen und vor sich hin knötern und bockig sein. Solange man es nicht aktiv an anderen herauslässt (ausser vielleicht an engsten Freunden und der Familie, die tragen es für einen mit) und nicht wegen jedem Missgeschick gleich zutiefst gefrustet ist. Ein gesundes Mittelmaß, Menschlichkeit, Normalität - dazu gehört die ganze Bandbreite an Emotionen. Es muss auch bei #happiness nicht plötzlich das absolute Extrem sein. Lasst uns lachen und lieben, unterstützen und gut zureden, lasst uns nach vorn sehen und uns über all die wundervollen Kleinigkeiten freuen. Aber können wir bitte aufhören, uns gegenseitig einreden zu wollen, dass wir jeden Tag, so düster und furchtbar er auch sein mag, mit aller Macht als #ohhappyday abfeiern müssen? Wir haben diese absoluten Extreme satt. Lasst uns einfach Menschen bleiben. 

Was uns mal interessieren würde - macht ihr solche Erfahrungen eigentlich auch im Alltag? Oder ist das ein Phänomen des Social Media und seinen Tiefen, ist es vielleicht etwas, mit dem wir nur aufgrund unseres Jobs so krass in Berührung kommen?

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9 Comments

morgenwirdgestern 5 months ago

Mich nervt tatsächlich aktuell mehr dieses Body Positivity, GRL PWR, Vagina Zeug als die gespielt gute Laune, denn die krieg ich tatsächlich nicht so übermäßig viel mit. Hab mehr das Gefühl, Leute schreiben was nach Mitleid schreiendes in die Caption, um Comments zu generieren...

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Eve 5 months ago

Recht habt Ihr! ! In den Sechzigern waren die Frauen freier und emanzipierter. Man musste nicht ständig furchtbar sexy sein. Nur gepflegt und adrett. Was sich heute als sexy präsentiert galt damals als nuttig. Heute gilt entweder unweiblich oder das plakative Sexsymbol. Einfach Frau sein und es genießen. Den Mann auch Mann sein lassen! Wir sind alle Menschen und die Unterschiede sind interessant.

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Eve 5 months ago

Viele Frauen heute empfinde ich als Karikaturen. Getunte Brüste in Combi mit Stoeckerbeinen sind lächerlich. Dazu noch Schlauchbootlippen...fertig ist die Barbie

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Eve 5 months ago

Danke! ❤

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Indie 5 months ago

Vielen Dank für eure Worte. Ich habe sehr über den ersten Abschnitt gelacht, weil es einfach total lustig geschrieben ist :-D Mein Freund fands auch gut ;-) Darüber hinaus sehe ich es auch in meinem Bekanntenkreis, dass alle nach der Glückseligkeit streben und schlechte Laune oder schlechte Tage ein "no go" sind. Ich dagegen plädiere auch dafür, man alles so richtig scheisse finden zu dürfen. Abgesehen davon, dass ich überzeugt davon bin, dass es ohne schlechte Phasen auch keine gute geben kann. So ist das Leben einfach nicht. Es läuft immer mal etwas nicht rund. Wer was anderes behauptet lügt sich selbst in die Tasche.

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Linda 4 months, 3 weeks ago

Eben! Es muss ja ein gewisses Auf und Ab geben, sonst weiß man die Guten Zweiten irgendwann wirklich nicht mehr zu schätzen! Wir freuen uns sehr, dass wir dich zum Lachen gebracht haben, wir mussten selbst ordentlich kichern. Eshan so Spaß gemacht, die Dinge einfach mal auszusprechen. :D

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Anne 5 months ago

Also ganz genau weiß ich ehrlich gesagt nicht was ihr meint. Vielleicht folge ich auch den falschen Leuten bei Instagram :D Ich bin da recht selektiv - nur weil jemand 1 Million Follower hat, finde ich Sie/Ihn eventuell trotzdem aufgesetzt glücklich und dann zack entfollowed. Solltet ihr auch mal probieren ;)

Aber generell ihr habt natürlich recht! Ich finde man sollte auch zelebrieren dürfen, wenn es einem schlecht geht. Sich einen Eimer "Ben und Jerrys" Eis reinpfeifen und zum hundertsten Mal Herr der Ringe schauen, weil es einem dann einfach besser geht.

Und ich sehe es auch so wie die anderen Kommentare: Glück ohne Traurigkeit gibt es nicht. Trotzdem kommt es darauf an, was man am nächsten Tag - nach dem Eis und Herr der Ringe Marathon - macht. Sich nicht in Traurigkeit zu verlieren ist genauso wichtig wie nicht das Glücklich-sein zu erzwingen oder aufzusetzen. Einfach ein gesundes Mittelmaß!

Lg Anne von http://recklessly-restless.com/

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Linda 4 months, 3 weeks ago

Haha, wie vielen wir schon entfollowed sind :D und trotzdem ist die Timeline noch voll von dem Kram. Naja, wir mussten einfach loswerden, dass jeder das Recht hat, auch mal traurig und gefrustet zu sein. Wie du schon sagst, das Eine kann es ohne das Andere nicht geben und diese Welt kann wirklich ein bisschen mehr Mittelmaß und Normalität vertragen! :)

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MIA 5 months ago

Wenn wir uns alles Schlechte stetig schön reden, dann stirbt auch der Impuls Schlechtes ändern zu wollen. Ich finde das nicht erstrebenswert.

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